Der Blog

Freitag, November 13, 2015

Review: John Allen - Orphan Keys

Vor einiger Zeit habe ich John Allen durch Zufall im Circus Maximus in Koblenz gesehen. Eigentlich wollte ich an dem Abend nichts unternehmen, aber eine Freundin hat mir nur geschrieben: "Die Musik ist gut und der Cuba kalt". Also bin ich dann doch hin und habe mich davon überzeugt, dass der Cuba wirklich kalt ist und auch noch gut schmeckt und dass dieser John Allen auf der Bühne wirklich tolle Musik macht. Eine Mischung aus Frank Turner und Chuck Ragen mit Springfield-esken Ausflügen. Folk trifft Rock trifft Americana. So in der Art.
Nach dem Konzert und dem ich glaube dritten Cuba habe ich noch ein wenig mit ihm geredet und sein Album "Sophomore" gekauft. Eine schöne Platte.
Vor kurzem hatte er wieder einen Auftritt in Koblenz. War wieder da, war wieder schön. Diesmal habe ich mir seine EP "Orphan Keys" gegönnt. Hier dann also das Review:
Er möchte eine Platte nur mit Piano und Gesang machen, steht im Klappentext des Booklets. Eine Platte, die nach einer dreckigen Bar, einem 20er Jahre Jazzclub klingt. Roh, nicht überproduziert, rauh, ein wenig unperfekt. Und was soll ich groß sagen? Experiment gelungen. Das Piano und John's stellenweise etwas heisere und wohl gewollt brüchige Stimme ergänzen sich super und tragen sich gegenseitig.
7 Songs kann man hören, 5 aus John's Feder, 2 Cover ("America" von Simon & Garfunkel und "Ruby's Arms" von Tom Waits). Allesamt perfekt auf die minimalistische Instrumentalisierung abgestimmt. Selbst bei "Thou shalt be saved" wurde die ansonsten treibende Energie der Gitarre in die unterschwellige Kraft des Piano gewandelt. Textlich hat es mir "Close Your Eyes" besonders angetan. "See the birds on the horizon // they're not really free // the truth ist they are chained to the sky // there's beauty all around us // we just need to see // but we're just paper bags trying to fly".
Einziger Wehmutstropfen ist das letzte Lied "Home". Hier ist dem ruhigen Piano-Man wohl der Geduldsfaden und auch eine Membran im Mikrophon gerissen. Mit verzerrter Stimme und abgehackten, wütendem, an eine gruselige Seefahrerkneipe erinnerndem Pianospiel kämpft er sich förmlich durch das Lied. Auf den ersten Augenblick etwas lustig, weil unvorhergesehen und ein Bruch zu den restlichen Liedern. Aufs zweite Hören dann doch etwas übertrieben. Hier hätte er viel mehr rausholen können. Das ist schade. Aber ok. Liegt vielleicht auch daran, dass es in der Origialversion mein persönlicher Favorit seiner Lieder ist. Bin also etwas voreingenommen.
Mit der rundum ruhig und gediegenen Athmosphäre der Platte liefert John Allen den perfekten Soundtrack sowohl für das romantische Candlelight-Dinner (und zu allem, was danach kommen kann), als auch für einen ruhigen Abend mit Buch und Rotwein.
Und ja, es klingt wirklich nach einer verrauchten, dreckigen, dunklen Pianobar um 5 Uhr morgens, wenn die letzten Gäste in ihren letzten Drink starren, nicht gehen möchten, der Barkeeper die Theke abwischt, aber verständnisvoll nickt, wenn einer dieser letzten Gestalten an der Bar nur stumm auf sein leeres Glas zeigt. Besonders bei "Criminals & Baseball Stars" hat man das Gefühl, dass gleich Billy "Piano Man" Joel um die Ecke kommt und sich zu John an den Flügel setzt.
Alles in Allem ein intensive, intime Scheibe mit unglaublicher Authentizität.
Auf "Sophomore" von 2014 singt John in dem bewegenden Lied "Blood Brothers": "Someone I once knew who I think is wise // Said life is just a series of hellos and goobyes". In diesem Sinne kann ich nur sagen: "Hello John!".

Donnerstag, Juli 02, 2015

Southside-Festival 2015 - Affo's kleine Nachbetrachtung

Das Southside-Festival. Muss man nicht länger vorstellen. Eines der größten Festivals in Deutschland. Eigentich eine Nummer größer als die Festivals, die ich sonst besuche bzw. besuchen will. Aber nette Menschen haben mich gefragt, ob ich mitkomme und ich wusste, dass ich noch andere nette Menschen dort treffen werde. Also los. Das Lineup überzeugt. Wohl auch, weil es nicht mit sogennanten Top-Acts überladen ist und somit auch die Möglichkeit bietet, neue Musik zu entdecken.
Ticket bestellt und einen Platz auf dem Grüner-Wohnen-Zeltplatz reserviert. Ja, das ist wichtig. Wenig Müll, viel Nachtruhe. Mit Anfang 30 will man eben auf einem Festival etwas schlafen, nicht in ständiger Angst vor fliegenden, halbvollen Raviolidosen sein und sich nicht um halb vier nachts fragen müssen "Pisst der Wichser jetzt an mein Zelt?". Party gab's trotzdem.
Bier, Schnaps, Dosenfutter und Campingausrüstung in den großen Rucksack gesteckt und los.
Das Hinkommen ist dann so eine Sache für sich. Erstens, weil ich mich nicht rechtzeitig um eine Mitfahrgelegenheit gekümmert habe und zweitens, weil man immer wieder vergisst, dass Neuhausen ob Eck etwas sehr im Süden liegt. Aber ok. In Mainz schon nette Mitreisende kennen gelernt und mit ihnen die Verspätungen und Sperenzien von Deutscher Bahn und Shutlebussen durchgemacht. Mainz -> Mannheim -> Karlsruhe -> Immendingen -> Tuttlingen -> Southside. Ich habe nicht auf die Zeit geachtet, aber es war lang.
Egal, irgendwann da, Zelt aufgestellt und auf den Rest der Reisegruppe gewartet, die aus Darmstadt anreiste. Die sind dann auch irgendwann angekommen und schon konnte das Festival gefühlt losgehen. Hat zwar (wie immer) geregnet. Aber egal.

Hier die von mir besuchten Bands in der Reihenfolge des "Hab-ich-gesehen":

Freitag:
Skinny Lister
Wo war diese Band bloß? Gute Laune Folk-Polka-Rock mit Rockabilly und Punk-Einflüssen. Schöne Liveshow mit crowdsurfenden Kontrabass. Für mich die Band des Sommers! So kann ein Festival losgehen.

East Cameron Folkcore
Kommen etwas schwermütig und melancholisch daher, die Grand Hotel-van Cleef Band. Abwechslungsreiche Instrumentalisierung und sehr schöner, mehrstimmiger Gesang. Leider weniger tanzbar. Haben leider im Zelt gespielt, Open Air würde ihnen besser stehen. Perfekt für einen netten Abend mit guten Freunden und rotem Wein.

DubFX
Aus Sympathie für meine Mitcampern habe ich mir dieses Elektro-Loop-Experiment mit ein paar live gespielten Instrumenten angesehen. Sehr elektronisch, aber ohne sich in ewig langen Beatfolgen zu verlieren. Kurzweiliger, durchaus tanzbarer Elektro. Nicht mehr, nicht weniger.

Of Monsters And Men
Zur Zeit wohl der große Hype. Habe aber nicht ganz verstanden, was diese Band mir sagen will. Die Lieder gehen zwar sofort ins Ohr, bleiben aber nicht lange da. Als ob man sie alle schonmal gehört hätte. Zu Tode gehört hätte. Langweilig.

Madsen
Als Ersatzband für Ben Howard eingesprungen, den ich mir sehr gerne angeschaut hätte. Wurden nicht müde zu betonen, wie toll sie es finden, hier zu spielen. Das nervte etwas. Habe sie mir aus der Entfernung angesehen. Irgendwie hat man auch schon alles von ihnen zu oft gehört. Wird Zeit für ein neues Album. Aber daran arbeiten die Wendländer.

The Cat Empire
Kante ich garnicht. Wir sind nur zum aufwärmen und etwas ausruhen in das Zelt gegangen. Tja...falsche Band. Das Publikum tanzte ausnahmslos. Wunderbarer JazzKlezmerReggaeSkaRock, der auch teilweise ohne oder mit wenig Gesang auskommt. Großartig.

Florence And The Machine
Für mich die Überraschung des Tages! Ich dachte, mich erwartet eine seichte Elfen-Show. Aber Pustekuchen. Die Elfen waren wohl auf MDMA. Unglaublich, wie Florence über die Bühne, die Boxen, die Absperrungen, das Publikum wirbelt und dabei immernoch alle Töne trifft. Tolle Show, tolle Sängerin, tolle Songs. Hier passte wirklich alles.

Samstag:
Schmutzki
Werden als die neue, große deutsche FunPunk-Nummer gefeiert und gehypt. Kann ich, ehrlich gesagt, nicht ganz nachvollziehen. Ok, die Texte sind deutschsprachiger FunPunk. Das wars. Nichts außergewöhnliches. Aber es gefällt den Teenies vor der Bühne. Deswegen gehen wohl auch gefühlte fünf Minuten der bei Festivals knapp bemessenen Auftrittszeit für das alte Spielchen "Tragt-mich-zum-Mischer-mit-einem-Bier-in-der-Hand-und-wieder-zurück" drauf. Aber die Jungs können sich vermarkten. Gefühlt hatte jeder zweite Festivalbesucher einen Schmutzki-Aufkleber irgendwo auf den Klamotten oder der Haut oder in den Haaren.

Counting Crows
Spulten ihr Programm runter. Meines Erachtens war die Frisur des Sängers noch das interessanteste, was auf der Bühne vor sich ging.Vielen hat es gefallen, mir nicht.

La Brassbanda
Bombenstimmung vor der Bühne. Tausende Menschen tanzten bayerische Polka. Bei mir kam diese Stimmung nicht an. Liegt vielleicht daran, dass ich weder die Texte, noch die Ansagen verstanden habe. Warum klingt bayerisch auch so scheisse? Vielleicht lag es auch daran, dass alle Lieder (zumindest die, die ich gehört habe) gleich klangen. Naja, habe mir was zu essen geholt. Da hatte ich dann mehr von.

NOFX
Die Show war mehr Comedy als Konzert. Viele Gags, besonders über das Wetter, manche spielten mit deutschen Klischees, auch unterhalb der Gürtellinie. Die Musik kam da etwas zu kurz, obwohl das Programm mit Hits gespickt war. Fat Mike und seine Jungs kamen lustlos rüber, fast schon müde.

Parov Stelar Band
Guter Mix aus Live-Bläserei und elektronischen Beats. Die Band macht Laune. Mehr kann ich nicht sagen, da ich weiter musste zu...

The Gaslight Anthem
Neben Frank Turner und TV Smith ist Brian Fallon für mich einer der größten noch lebenden Texter von guter Musik. Also ein persönliches Highlight während dieser Tage. Zeitlich war ihre Playtime recht knapp bemessen, deswegen kamen die sonst sympathischen Quasseleinlagen von Mr. Fallon etwas zu kurz. Dennoch zockten sie sich durch ihre Hits. Wenig Neues, vieles Bekanntes. Sehr kurzweiliges Programm zum Mitsingen. Aber leider, leider ein recht undankbares Publikum.

ALT-J
Keine Ahnung, was alle an dieser Band finden. Zur Zeit scheint die ja jeder zu hören. Ich kann der Musik nicht wirklich was abgewinnen. Und ich habe es versucht. Die 4 auf der Bühne agierten nicht. Weder untereinander, noch mit dem Publikum. Genauso gut hätten 4 Schaufensterpuppen auf der Bühne stehen können. Absolut überbewertet. Der Bierstand war verlockender.

Placebo
Jetzt habe ich die also auch mal gesehen. Gut. Schöner Einsatz der Lichtanlage und Bildwände. Die Songs sehr abwechslungsreich gemischt. Schwerer Alternative-Sound wechselte sich mit den typischen Placebo-Indie-Hymnen ab. Toller Abschluss eines Festivaltages. Hier hat alles gepasst. Die Jungs sind völlig zu recht weltweite Festival-Headliner. 

Sonntag:
Adam Angst
Ich hatte etwas Angst vor dem guten Adam. Das erste Album wird überwiegend positiv besprochen, manche Aussagen und Bildsprachen (zu recht) kritisiert. Dennoch lieferten sie eine solide Punkrock-Show ab. Felix (oder muss ich jetzt wirklich Adam sagen?) hat es raus, zwischen Gesang und Geschrei zu wechseln und insgesamt sind die Songs "rund". Die Show an sich ist zu sehr auf den Sänger fixiert. Könnte man ändern. Macht es dann sympathischer.
 
Strung Out
Toller StreetPunkHardCore. Rancid auf Speed. Obwohl sie aus Kalifornien stammen, könnte man sie auch nach New York verorten. Gut eingespielte Truppe. Für das doch recht beachtliche Publikum war die Uhrzeit wohl zu früh und das Bier bisher zu wenig, denn so richtig Stimmung wollte nicht aufkommen.

Somekindawonderful
Placebo trifft Coldplay trifft Pharell Williams. Glattgebügelter SoulRockPop mit Elektroeinflüssen. Nicht schlecht, aber auch nicht besonders gut. Irgendwas dazwischen. Langweilig wurde es nicht, aber das wars auch schon. Haben keinen bleiben Eindruck hinterlassen.

George Ezra
Süß, der Kleine steht auf der Bühne und sieht aus wie Bob Dylan. Schlecht ist seine Musik nicht. Nur leider zu glatt, zu perfekt produziert. Aber den Teenies und besonders den jungen Damen vor der Bühne gefällt es. Schöne Musik, um in der Sonne zu liegen. Die war aber leider nicht da.

Die Antwoord
Booom! Weg geblasen! Hätte nicht gedacht, dass mir diese Mischung aus Rave, HipHop und plattem Techno gefallen könnte. Würde mir jetzt keine Platte der Südafrikaner kaufen, aber live? Immer wieder sehr gerne! Eine Wucht!

Farin Urlaub Racing Team
Habe ich mir nur von weitem angeschaut. Herr Urlaub wirkt ohne seine restlichen Ärzte recht farblos auf der Bühne. Wirft mit Witzen um sich, die nicht wirklichh zünden wollen und Musik, die etwas unfertig wirkt. Nicht schlecht, aber unfertig. Vielleicht habe ich alles auch schon zu oft gehört. Schade, da die Stimmung im Publikum und wohl auch auf der Bühne großartig ist.  

Jan Delay & Disco No.1
Ein Live-Knaller. Die Musiker tanzen, das Publikum tanzt, alle sind glücklich. Zwischendurch verbietet Herr Delay mal eben dem Kamerakran weiter zu filmen, damit alle aus dem Publikum einen ungehinderten Blick auf die Bühne haben. Lässig. Die Stimmung ist gelöst. Die Musik passt zum Abschluss der drei Tage. Schönes Ding. Gerne wieder.

So, das wars. Mehr habe ich nicht gesehen. Meine letzten Biere habe ich vor meinem Zelt vernichtet und mir von da aus Marteria angehört. Auch ein Vorteil vom Grüner Wohnen: Man ist sehr nah dran.

Am nächsten Morgen dann das übliche: Zelt abbauen, letzte Lebensmittel an die Tafel spenden, Müll abgeben. Man kennt das. Nach Hause bin ich dann mit unseren Camp-Nachbarn gekommen. Die hatten noch einen Platz frei. Nette Menschen. Glück muss man haben.

Liebes Southside...Nach der Regenkatastrophe von 2011 wollte ich dich eigentlich nicht mehr besuchen. Habs dann doch wieder gemacht und wurde nicht enttäuscht. Bis auf die kalten Nächte war das Wetter angenehm. Für ein Festival. Leider konnte ich Oli Schulz und Casper nicht sehen, da einer von euren Planern gedacht hat, dass man die auf die Zeltbühne stellen sollte. Falsch gedacht. Macht das beim nächsten Mal besser. Aber das ist eine Kleinigkeit.
Zusammenfassend kann man sagen: Tolles Lineup, tolle Konzerte, gechillte Security, keine langen Schlangen vor den Bierständen, chaosfreie An- und Abreise, ausreichend Toiletten, angenehmes Wetter. Weiter so. Komme wieder!  

Donnerstag, Juni 04, 2015

Sonntag

Sonntagnachmittag, ca. 15 Uhr. Katerspaziergang. Dieser eklige, alkoholschwitzige Drang, sich zu bewegen, um das Karussell im Schädel abzustellen. Frühstück in Form von Salat, versalzenen Pommes und fettigem Drehspießfleisch ist absolviert. Die wahrscheinlich wohltuende Dusche noch nicht. Frische Klamotten und eine Kappe auf den fettigen Haaren müssen fürs erste reichen. Egal. Später.

Raus aus dem Haus, einmal links, einmal rechts, wieder links. Unterwegs den Hinterlassenschaften des Ausgeh-Mobs der letzten Nacht ausweichen. Kotze, Dönerreste, Scherben, Kotze. Irgendwie schön, in der Innenstadt zu wohnen. Noch einmal links, zum Fluss und rein in die sonntägliche Mischung aus jungen Eltern, glücklich-verliebten Pärchen, Rentnern und Joggern. Juppheidi! Menschenmassen! Dinge, denen man aus dem Weg geht mit M… Verträgt sich nicht mit dem dicken Kopf. Egal. Weiter.

Ausweichen. Überholen. Kinderwagen, Fahrräder, Inlineskates (wann sterben diese Dinger endlich aus?), langsam dahin schlendernde Menschen, die die Sonne genießen möchten, und dazwischen immer wieder kleine und große Touristen-Gruppen, die alles mit ostasiatisch importierter Unterhaltungselektronik fotografieren, alle fünf Meter stehen bleiben und noch kleinere Grüppchen bilden, die sich nacheinander vor die Linse quetschen. Idioten. Allesamt. Ausweichen. Allem ausweichen. Was tun diese Menschen hier? Egal. Weiter.

Dazwischen immer wieder einzelne Gestalten mit tief in der Stirn sitzender Kappe, unter denen blutunterlaufene Augen aus verquollenen, bleichen Gesichtern starren. Die Blicke treffen sich. Ein stummes Verstehen, dann wieder wegsehen, ausweichen. Es gibt in dieser anonymen Menschenmasse wohl doch Personen, denen es ähnlich geht. Man spürt Verbundenheit. Wie bei Wildfremden, mit denen man bei einer stundenlangen Bahnfahrt im gleichen Abteil sitzt. Zweckgemeinschaft. Ein kurzes Gefühl von Verstanden werden, wenn man sich selbst nicht mehr versteht. Eine gute, fast schon wohltuende Wärme macht sich in diesem auf Hochtouren Alkohol abbauenden Körper breit. Warum tut man sich das eigentlich an? Egal. Nächste Woche wieder.

Dienstag, April 07, 2015

Review: Offbeat Foundation - First

Jetzt soll er ja endlich kommen, der Frühling. Ostern wurde ganz klassisch mit enormer Frühjahrsmüdigkeit verpennt. Naja, was solls.
Mal abwarten, was der Frühling 2015 so bringt. Der Wetterbericht verspricht einigermaßen hohe Temperaturen, die Boulevardpresse überschlägt sich mit Tipps, was man bei schönem Wetter denn so alles machen kann, plötzlich ist der Klimawandel und die Erderwärmung wieder ein Thema, überhaupt soll alles viel wärmer sein, als es irgendwann vielleicht einmal war, Cocktails schmecken wieder (hab's getestet) und Ska kann ich mir auch wieder anhören. Nach Monaten voller Punkrock und Hardcore in den Ohren, scheint sich mein Gehirn wieder auf ruhige Töne zu freuen. Whooop Whooop Dopamin!

Und passend zu diesen Frühlingsgefühlen gibt es hier mein Review einer der schönsten Ska-Platten der letzten Jahre. "First", dem ersten (ach was) Album von Offbeat Foundation. Dieses Review habe ich 2013 schonmal bei Achim's feinem Webzine "Der Dude Goes Ska" veröffentlicht, ist aber viel zu schade, um nur dort zu erscheinen. Deshalb habe ich es nochmal ausgegraben.

Offbeat Foundation - First (rain records)
Es ist manchmal erstaunlich, welche Assoziationen das Hören einer neuen Platte auslösen kann. Beim Hören von „First“, der ersten Veröffentlichung von Offbeat Foundation, der neuen Band um ex-Yellow Umbrella Sänger und Gitarrist Enrico „Mr. Mild Ericson“ Mildner fühlte ich mich schon beim zweiten Song „I Love It“ zurückversetzt in alte Folklore-Im-Garten-Zeiten auf dem Wiesbadener Freudenberg. Der Geruch von Räucherstäbchen in der Nase und der Geschmack von afghanischen Badenjan Borani auf der Zunge. Dazu alle erdenklichen Farben und Tanzen bis in den Morgengrauen. Aber zurück zur Platte…

Offbeat Foundation wissen zu überzeugen. Die 14 Titel lassen sich getrost in einem Rutsch durchhören, ohne beliebig zu klingen. Bass, Orgel und Percussion brechen durch einige amüsante Einfälle aus ihrer gewohnten Rolle aus, überlassen die Führung größtenteils dem fetten Bläsersatz, der sich aber an den richtigen Stellen auch zurückhalten kann. Abgerundet wird alles durch die wirklich tolle Stimme von Enrico Mildner. Sehr gefasst, klar und deutlich, aber auch immer an der Grenze zur Heiserkeit. Ergänzend zu Enrico hören wir auf der Platte den Background-Gesang von gleich 3 (!) Sängerinnen. Diese schwingen sich teilweise in Höhen auf, die mir nicht ganz gefallen, aber das ist Geschmackssache. Bei 3 Sängerinnen hätte ich ein Duett erwartet, aber das findet sich leider nicht auf der Scheibe. Schade. Vielleicht beim nächsten Album.

Die Stücke sind an traditionellem Ska orientiert, nehmen den Hörer aber mit auf eine Reise durch die gesamte Karibik bis hinüber nach Afrika. Das Album verdient somit nicht nur das Prädikat „Ska“, sondern auch „Reggae“ und „Weltmusik“.

Fazit: Offbeat Foundation haben mit „First“ vielleicht keinen neuen Klassiker geschaffen, aber Alles in allem eine rundum gelungene Scheibe. Ich bin mir sicher, dass man noch einiges von dieser Combo hören wird und sie eine der Festival-Highlights in den kommenden Jahren werden kann.

Also, liebe Leute: Kaufen!
Bei dem Webzine hatte ich noch ein weiteres Review veröffentlicht. Mal schauen, ob ich es auch mal rauskrame, wenn mein Verlangen nach Ska weiter steigt.

Mittwoch, März 25, 2015

Manchmal

Manchmal wird man ziemlich schnell und hart auf den Boden der Tatsachen geholt.
Manchmal erscheinen die eigenen großen Probleme plötzlich ganz klein und unbedeutend.
Manchmal möchte man Tage einfach überspringen und so weitermachen, als wäre nichts geschehen.
Manchmal ist das Leben hart, unglaublich ungerecht und lässt Scheiße regnen.
Manchmal kriechen Dämonen, von denen man dachte, sie wären verbannt, wieder über die Schulter, ins Bewusstsein und saugen sich da fest.
Manchmal schmecken Zigaretten und der resultierende Nikotionflash zuckersüß.
Manchmal wünscht man sich, das Wasser im Glas hätte 40 Prozent, um damit der Beschissenheit der Dinge zuzuprosten.

...und heute ist erst Mittwoch...

Mittwoch, März 04, 2015

Kaffeefahrt Teil 5 - Nachwehen

Und da ist sie auch schon wieder vorbei, die Minitour...schön wars...und anstrengend....und aufregend...und auf jeden Fall eine tolle Erfahrung.
Jetzt, mit ein paar Tagen Abstand, wieder aufgeholtem Schlaf und auf Normalzustand zurückgekehrtem Kreislauf und Verdauungsrythmus, kann man einen Blick zurück werfen und getrost sagen: "Geiles Ding! Das machen wir nochmal!"
Mal abwarten, was die Zukunft so bringt. Neue Kontakte zu tollen Menschen sind auf jeden Fall gegeben.

Wie das nunmal so ist, nach jeder Erfahrung wird man schlauer. Darum folgt meine persönliche Liste der Dinge, die ich beim nächsten Mal berücksichtigen werde:
  • Nimm mehr als zwei Pullover mit. Es ist noch Winter, verdammt. Und mindestens ein Pulli stinkt nach Kippen.
  • Wenn du die Chance hast zu schlafen, nutze sie!
  • Bekämpfe deinen Kater und katerähnliche Erscheinungen massiv und mit bewährten Mitteln.
  • Du bist in tollen Städten zu Gast. Nimm dir zumindest eine Stunde, um sie zu erkunden.
  • Du bist den ganzen Abend lauter Live-Musik ausgesetzt und wirst danach die ganze Nacht von Dosenmusik beschallt, kein Grund auch tagsüber die Musik aufzudrehen. Lass mal den MP3-Player weg.
  • Verdammt, wenn du schon nur ein paar Schuhe mitnimmst, prüfe vorher, ob sie dicht sind. Vier Tage Regenwetter mit undichten Schuhen sind beschissen.
  • Das nächste Mal packst du Aspirin und Vitamintabletten ein.
Es ist auch an der Zeit, sich zu bedanken.
Danke an die tollen Menschen in der Pooca Bar (Inga, Marc, Joey), dem Clochard (Andrea, Sachse, Anna) und dem Fischladen (Janni, Tristan) für Vertrauen, Bühne, Sound und Alkohol.
(Sorry, falls ich jemanden vergessen haben sollte)
Danke an alle, die tanzend, wunderkerzenschwenkend, mitsingend, bananenessend und applaudierend da waren.
Danke an unsere Crew: Anja, Annika, Kalli, Lea, Mari, Patrick, Silas. Für Fotos, Videos, Merch- und CD-Verkauf, mal-die-Tür-machen und die Aftershow-Parties.
Und ein dickes Danke an Stefan, der uns einfach mal so eine komplette PA durch Deutschland fährt.

Es war uns ein Fest! Gerne wieder!

Sonntag, März 01, 2015

Kaffeefahrt Teil 4 - Berlin Calling

Berlin, was war das denn bitte?

Mit Sonne empfangen und vom schönen Friedrichshainer Kiez verwöhnt. Nach einer schnellen Überfahrt von Hamburg wurden die wenigen Stunden Freizeit hauptsächlich zum Beine vertreten und Schlaf nachholen genutzt. Nachdem der Kreislauf abends mit etwas Bier wieder in Schwung gebracht wurde, ging es los in die Vereinsräume des Fischbrötchen e.V. oder, einfacher gesagt, den Fischladen in der sympathischen Rigaer Straße.

Mittlerweile Routine: Aufbau, Soundcheck, Warten. Zwischendurch Bananen kaufen. Gegen 23:30 dann Showtime. Der Laden proppevoll, die kleine Bühne in Form eines dicken Teppichs auch. Und los gings. In typischen, klischeehaften Konzertkritiken in Lokalzeitungen würden jetzt solche Dinge stehen: "Nach einem Lied war das Eis gebrochen", "Das Publikum feierte frenetisch", "Wilde Tanzeinlagen", "Wehemend wurden Zugaben gefordert". Wie gesagt, das sind klischeehafte Phrasen, aber genau so war es. Und ich weiß nicht wirklich, wie ich es anders ausdrücken soll, deshalb bleibt das jetzt einfach mal so stehen.

Später dann noch ein kurzer Abstecher auf einen Pfeffi in den Abstand und der Späti mit dem tollen Namen "Bier und mehr Bier" wurde in Anspruch genommen, um ein Wegbier für den Fußmarsch ins Hostel zu kaufen.

Diesmal keine Begegnungen nachts um vier auf der Toilette. Alle Zimmer hatten ein eigenes Bad. Tja, am letzten Tag wurde im Luxus geschwelgt.

Danke Berlin! Wir kommen wieder!